Das Volk der Nayar

lebt in Kerala. Dieser vom Matriarchat geprägte Bundesstaat in Südindien weist im Vergleich zum übrigen Indien den

  • höchsten Bildungsstand für Frauen und Männer auf
  • geringste Kindersterblichkeit und
  • niedrigste Geburtenrate

Dort gab es - verordnet durch eine Nayar-Fürstin - kostenlose Grundschulerziehung seit 1817 (in England erst seit 1870).

 Foto: Cillie Rentmeister

»In unserem matriarchalischen System war ein schlagender der Ehemann undenkbar.«
sagt Damodoran Ambady (rechts), Indischer Botschafter und erklärt warum:
»Erstens war er im Haus der Frau nur zu Besuch - sollte es doch geschehen, hatte der Onkel zu sagen: Du kommst nicht mehr hierher - Ende.
Jetzt in den Einfamilienhäusern - da ist alles möglich! Wer fragt danach und wer wird Unterstützung geben?«

 Foto: Cillie Rentmeister

Diese und folgende Zitate aus einem Interview in: Cillie Rentmeister, Frauenwelten - Männerwelten, 1985

Verheiratete Männer lebten mit dem Clan ihrer Mutter und besuchten ihre Ehefrauen nachts. Ansonsten schliefen sie im Männerhaus ihres Clans.

»Das Heiratssystem war extrem gesund: Der Ehemann hatte mit den Eigentumsrechten der Frau nichts zu schaffen.«

Die Kolonisatoren verschafften Männern Vorrechte, und mit der Unabhängigkeit Indiens mussten die Nayar die patriarchalischen Hindugesetze übernehmen.

 Foto: Cillie Rentmeister

Matriarchat - Patriarchat?

Diese Worte werden bei uns gerne als politische Kampfbegriffe verwendet, oft um zu provozieren.
Die hier zitierten Männer in Indonesien und Indien sprechen dagegen ganz sachlich und selbstverständlich vom "Matriarchat", wenn sie über ihre Kultur sprechen; sie sehen sich auch nicht von ihren Frauen unterdrückt.

Dieses Kapitel zeigt, wie in anderen Kulturen Gewalt in der Ehe mit sozialen Strukturen eingedämmt wird:

  • andere Formen des Zusammenlebens bieten mehr Sicherheit für Frauen und Kinder, und
  • weniger Stress für die Männer
  • bei gleichzeitig mehr sexueller Freizügigkeit für Männer und Frauen

Unsere Formen des Zusammenlebens sind durchaus verbesserungsfähig.
Dieser Blick auf andere Kulturen zeigt, dass es auch andere Lösungen gibt und kann unsere soziale Kreativität anregen.

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