PTBS Symptome

Vegetative Übererregung  |   Totale Unterwerfung  |   Psychische Erstarrung  |   Alkohol + Drogen  |   Todeswunsch  |   Nichtzugehörigkeit  |   Schuldgefühle

 

Vegetative Übererregung

  • quälende "flash-backs"
  • emotionale Betäubung
  • Vermeidungsverhalten
  • chronische Übererregung

Es ist, als kämpfe ihre Körper gegen sie:

  • Unruhe und Schlaflosigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Bauch-, Rücken- oder Beckenbeschmerzen
  • Zittern, Würgereiz oder Herzklopfen

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Totale Unterwerfung

Chronisch Traumatisierte lernen, dass jede ihrer Handlungen bestraft werden kann.
Sie werden ängstlich, passiv und hilflos und verinnerlichen schließlich die Wünsche und das Denken des Täters.
» Einige Frauen berichten, sie seien in eine exklusive, beinahe wahnhafte Welt eingetreten, hätten das grandiose Wertesystem ihrer Partner akzeptiert und freiwillig alle Zweifel unterdrückt, um damit ihre Treue und Unterwerfung zu beweisen.«

Judith Herrman, Die Narben der Gewalt - traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1994, S.130

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Psychische Erstarrung

Das Opfer gibt Initiative und eigene Meinung auf,
es wird gleichgültig, emotional distanziert,
wirkt wie »weggetreten«.
Es versucht, den innersten Kern zu retten, indem es nichts mehr an sich heran lässt, weder Schmerz, Empörung noch Trauer.

Ein Vergewaltigungsopfer beschreibt das Gefühl der Distanziertheit so: »Da verließ ich meinen Körper.
Ich stand drüben, neben dem Bett und schaute dem Geschehen zu. (..) Ich löste mich von der Ohnmacht.
Ich stand neben mir, und auf dem Bett lag nur die Hülle.«

Ein Veteran des Zweiten Weltkriegs schildert eine ähnliche Erfahrung: »Wir nannten ihn den Zweitausend-Jahre-Blick. Dieses betäubte Starren. Die weit aufgerissenen, leeren Augen eines Mannes, dem alles egal ist. Ich war noch nicht soweit, aber ich war völlig erstarrt. Ich hatte fast das Gefühl,
als wäre ich nie wirklich an der Front gewesen.«

Judith Herrman, Die Narben der Gewalt - traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1994, S. 66-67

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Alkohol + Drogen

Traumatisierte versuchen manchmal sich mit Alkohol oder Drogen zu betäuben:
»Die Zahl der Soldaten, die unkontrolliert tranken, nahm proportional zu den Verlusten ihrer Kampfeinheit zu. Die Soldaten versuchten offenbar, mit Alkoholkonsum ihre wachsende Hilflosigkeit und Angst zu betäuben.«
75% der Veteranen haben Alkoholprobleme (1)
Bei 45% der Alkoholikerinnen ist die Ursache häusliche Gewalt (2)

(1) Judith Herrman, Die Narben der Gewalt - traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1994, S. 68
(2) Lori Heise, Fact Sheet on Genmder Violence, IWTC/Unifem, New York, 1992

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Todeswunsch

Noch lange nach dem traumatischen Ereignis haben viele Traumatisierte das Gefühl, als sei ein Teil von ihnen gestorben. Viele wünschen ihren Tod herbei.
Selbstmordversuch machten:
19,2% der Vergewaltigungsopfer
19% der Vietnamveteranen mit PTBS (1)
25% der Suizidversuche sind Folge häuslicher Gewalt (2)

(1) Judith Herrman, Die Narben der Gewalt - traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1994, S. 75
(2) World Bank Discussion Paper, Lori Heise, Violence against Women, The Hidden Burden, Washington D.C., 1994

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Nichtzugehörigkeit

Traumatische Ereignisse vernichten das Bewusstsein des eigenen Wertes und den Glauben an eine sinnvolle Schöpfung. Wer in Extremsituationen soziale Bindungen aufrechterhält und aktiv nach Lösungen sucht, schützt sich auch gegen PTBS:
»Von den Überlebenden einer Schiffskatastrophe zeigten die Männer, die sich durch gemeinschaftliche Aktionen retten konnten später nur geringe Symptome von PTBS.
Dagegen neigten diejenigen, die »erstarrt« und von der Gruppe getrennt waren, später stärker zu Symptomen.«

Judith Herrman, Die Narben der Gewalt - traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1994, S. 35

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Schuldgefühle

Für ein Opfer ist es verlockend, den Grund für die Schläge in eigenen »Fehlern« zu suchen; es kann damit hoffen, in Zukunft diese Fehler zu vermeiden und damit auch die Misshandlung.
Unter Umständen ist es erträglicher, sich »Fehler« einzugestehen, als sich der Tatsache absoluter Ohnmacht zu stellen.