Knochen zum Kauen

Zum Streiten braucht es Zwei
Therapie statt Strafe?
Nur ein Ausrutscher
Anzeigen sind sinnlos
Pack schlägt sich
Geschichte mit Fortsetzung
Privatsache
Warum verlässt sie ihn nicht?
Solange nicht Kinder betroffen sind
Jugendgewalt

Zum Streiten braucht es Zwei

Oft stellt sich heraus, dass dieser Täter mit anderen Frauen in gleicher Weise umging.

"Wir stellten fest, dass häusliche Gewalt wenig oder gar nichts mit dem Opfer selbst zu tun hat.
Insofern macht Paartherapie keinen Sinn.
Schlagen hat rein gar nichts mit der Dynamik einer Ehe zu tun. Die Ursache für das Schlagen liegt nicht in der Beziehung, sondern im Täter selbst."

Psychologen beobachteten 10 Jahre lang 63 besonders gewalttätige Paare: Neil Jacobson und John Gottman, When men batter Women, New York 1998

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Therapie statt Strafe?

"Dann werden Täter nicht zur Rechenschaft gezogen.
Sie brüsteten sich uns gegenüber, wie schnell sie lernten herzubeten, was Berater hören wollen.
Wenn es etwas gibt, was die Gewalt stoppen kann, dann ist es die Abschreckung durch echte Strafen."

Psychologen beobachteten 10 Jahre lang 63 besonders gewalttätige Paare: Neil Jacobson und John Gottman, When men batter Women, New York 1998

Soziales Training statt Therapie - Dieses Konzept wird hierzulande erprobt, in der Regel als gerichtliche Auflage, siehe Kapitel "Täter" > "Männergewaltberatung“

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Nur ein Ausrutscher

Häusliche Gewalt ist nie ein einmaliges Ereignis, sondern eine Gewohnheit. Dazu gehören:

  • Seelische Grausamkeit
  • Erniedrigung
  • Finanzielle Ausbeutung
  • Sexuelle Gewalt
  • Einschüchterung
  • Isolierung des Opfers

Das zeigt die Studie aus den USA von Neil Jacobson und John Gottman, When men batter Women, New York 1998 S. 215

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Anzeigen sind sinnlos

  • Allein die Anklageerhebung (ohne Prozess) verringerte die Gewalt zu Hause drastisch.
  • Eine Festnahme erinnert den Täter daran, dass Frauen nicht geschlagen werden dürfen.
  • Dem Opfer wird gezeigt, dass es diese Behandlung nicht erdulden muss, dass die Gesellschaft häusliche Gewalt nicht akzeptiert.

Das zeigt die Studie aus den USA von Neil Jacobson und John Gottman, When men batter Women, New York 1998 S. 215

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Pack schlägt sich

In Deutschland hat rund jede 4.Frau körperliche oder/und sexuelle Übergriffe durch ihren Partner ein- oder mehrmals erlebt. (1)

Die häufigste Ursache für Verletzungen bei Frauen ist häusliche Gewalt,
häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle und Vergewaltigung
zusammengenommen.(2)

Frauen in den Industrieländern verlieren im Durchschnitt 1 von 5 ihrer gesunden Jahre aufgrund von Misshandlungen (3)

(1) Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland, 2004, www.bmfsfj.de > Forschungsnetz > Forschungsberichte. Auf dieser CD-ROM in "Dokumente". (2) FBI Report 1990, (3) World Bank Discussion Paper 255: Lori Heise, Violence Against Women. The Hidden Burden, Washington D.C.1994

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Geschichte mit Fortsetzung

So harmlos Ihnen ein Ehestreit vorkommt, häusliche Gewalt ist die Ursache für Missstände resp. Verbrechen, die Ihnen noch sehr viel mehr Arbeit machen werden:

Bei 45% der Alkoholikerinnen ist die Krankheitsursache häusliche Gewalt (1)

75 bis 90% der Geiselnahmen (in den USA) haben ihre Ursache in "Ehestreitigkeiten"(2)

50% der Kindesentführungen bezwecken, die Mutter zurückzubekommen oder zu strafen. (3)

82% aller ermordeten Frauen wurden von ihrem Partner (30%) oder Ex-Partnern (52%) getötet. (4)

(1) Lori Heise: Fact Sheet on Gender Violence, IWTC/Unifem, New York, 1992
(2) Pennsylvania Coalition Against Domestic Violence
(3) Vantage Professional Education, Tampa, 1998
(4)"Till Death Do Us Part": A Study of Spouse Murder. Bulletin of the American Academy of Psychiatry and the Law, 10.

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Privatsache

Solange Gewalt in der Familie als Privatsache angesehen wird, schützt man den Täter und gefährdet Frauen, Mädchen und Jungen.
Wer wegschaut, erteilt dem Täter indirekt die
"soziale Erlaubnis"
für seine Gewalttaten.

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Warum verlässt sie ihn nicht?

Wieso fragen Sie nicht, warum der Täter nicht geht?
Für Frauen ist die Trennung sehr viel schwerer:

  • Oft zwingen Familie, Religion die Frau beim Mann zu bleiben, "der Kinder wegen"
  • Nach einer Trennung sinkt das Einkommen der Frau um durchschnittlich 44% (1)
  • Unkenntnis, Isolation, Depression und zerstörtes Selbstbewusstsein lähmen sie
  • Der Täter isoliert die Frau, schließt sie ein, zerstört das Telefon, nimmt ihr Geld und Papiere weg
  • Der Täter droht mit Mord und Selbstmord
  • 82% aller ermordeten Frauen wurden von ihrem Partner (30%) oder Ex-Partnern (52%) getötet (2)
  • Frauen ohne deutschen Pass riskieren bei Trennung ihren legalen Aufenthalt
  • Trotzdem macht jede misshandelte Frau mindestens einen Versuch, sich zu trennen.

(1) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Hg.: Die wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung, 2000
(2) "Till Death Do Us Part": A Study of Spouse Murder. Bulletin of the American Academy of Psychiatry and the Law)

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Solange nicht Kinder betroffen sind...

Kinder aus gewalttätigen Familien lernen zu glauben, dass es normal ist, dass

  • Männer Frauen schlagen,
  • man sich mit Gewalt durchsetzt
  • grosse Leute ihre Kraft missbrauchen
  • Männer tyrannisch sind

95% der Jungen und 72% der Mädchen, die Gewalt zwischen den Eltern erleben,
wiederholen dieses Verhalten
in ihren eigenen Beziehungen als Erwachsene.

US-Statistik aus "Why Does She Stay", Women’s Center of San Joaquin County, 1988

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...denn woher kommt Jugendgewalt?

  • Drogensüchtige
    Kinder, die Zeugen häuslicher Gewalt wurden, werden 50 Mal häufiger drogen- oder alkoholabhängig.
  • Jungenkriminalität
    Kein anderer Faktor im Leben eines Jungen lässt so zuverlässig eine spätere kriminelle Karriere erwarten
  • Mörder
    2/3 aller Jungen (11-20Jahre) die wegen Mordes im Gefängnis sind (USA) töteten den Misshandler ihrer Mutter (March of Dimes 1992)
  • Sexualstraftaten
    Jungen, die Zeugen häuslicher Gewalt wurden, begehen 24 Mal häufiger sexuelle Gewaltverbrechen und die Mädchen sind 6,5 mal gefährdeter, Opfer einer sexuellen Gewalttat zu werden
  • Straßenkinder
    50% der Straßenkinder (in den USA) sind auf der Flucht vor häuslicher Gewalt.

Annie McCullough, Vermont Network Against Domestic Violence and Sexual Assault

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