Befunddokumentation

Die rechtsverwertbare Befunddokumentation kann für Betroffene eine entscheidende Hilfe sein, um sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen.

Um spätere Erkenntnislücken oder Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt sich ein schematisches Vorgehen unter Berücksichtigung von Checklisten und Dokumentationsbogen.

Sollten Fragen im Zusammenhang mit der Befunderhebung o.ä. auftreten, können Sie sich auch an ein rechtsmedizinisches Institut in Ihrer Nähe wenden.

Bagatellverletzungen

Kommt eine Frau in die Notaufnahme mit blauen Flecken, die auch ohne medizinische Hilfe heilen, schicken Sie sie nicht weg.

Gut möglich, dass die Frau Hilfe anderer Art braucht, aber nicht weiß, an wen sie sich mit diesem Tabuthema wenden kann.

Bitte dokumentieren Sie auch Bagatellverletzungen rechtsverwertbar:
Sollte sich die Frau zu einer Trennung entschließen, sind ärztliche Atteste unerlässlich, um eine Wohnungszuweisung oder Schutzanordnung zu erreichen.

Checkliste Befunddokumentation

Anamnese

  • Schilderung des Tathergangs in den Worten der Patientin
  • Name des Verursachers, der Zeugen, Ort und Zeit der Tat
  • Frühere Attacken
  • Medizinische und traumatische Vorgeschichte und die soziale Situation

Diagnose

  • Alle physischen und psychischen Beschwerden und Symptome
  • Resultate der Untersuchung
  • Detaillierte Beschreibung der Verletzungen, der möglichen Ursachen und Erklärungen der Patientin (möglichst im Wortlaut)
  • Sichergestellte Spuren (Abstriche, Kleidung)
  • Dokumentation durch Text, Eintrag in Körperschema und Fotografie mit Maßstab, die folgende Fragen beantwortet:
  • Welche Art von Verletzung liegt vor?
  • Wo genau am Körper ist die Verletzung?
  • Wie sieht die Verletzung aus (Farbe, Form, Größe)?

Die genaue Beschreibung einer Verletzung erlaubt so Rückschlüsse auf

  • die Art des einwirkenden Werkzeugs,
  • den Zeitpunkt der Verletzung und die Gefährlichkeit der Einwirkung.

Therapie

  • Hilfeleistungen
  • Einschätzung der Gefahr und des Schutzbedürfnisses und der u.U. eingeleiteten Maßnahmen (Polizeischutz, Vermittlung ins Frauenhaus...)
  • Telefonnummer von Kontaktperson
  • Folgetermin

Dokumentationsbogen

des Institutes für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hier laden

Checkliste zum Fotografieren von Opfern häuslicher Gewalt

Fotos sind eine ausgesprochen wertvolle Art, Verletzungen zu dokumentieren. Auch wenn die Patientin im Moment keine Anzeige erstatten will, sollte ihr erklärt werden: Verletzungen heilen, aber Fotos und Berichte können beweisen, was passiert ist. Diese sind entscheidend für künftige Anzeigen, z.B. im Wiederholungsfalle, oder bei Scheidungs- und Sorgerechtsprozessen, oder wenn sie das Gewaltschutzgesetz in Anspruch nehmen will.

  • Fotos vor der Behandlung machen.
  • Digitalfotos mit eingeblendetem Datum oder einen Zettel mit Name, Datum und Zeit mit ins Bild nehmen.
  • Verletzungen möglichst aus zwei Blickwinkeln fotografieren. Auf einem davon sollte zur eindeutigen Zuordnung das Gesicht des Opfers zu erkennen sein.
  • Lineale oder andere standardisierte Objekte im Bild zeigen, um die Größe der Verletzungen zu illustrieren.
  • Von jeder Aufnahme zwei Ausdrucke: Einer bleibt in der Krankenhaus-Akte, den zweiten Satz Bilder erhält die Patientin.

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